Jardin sous la Neige (Japan-Brief IV)
Text: Prinz Chaos II.
Es liegt, in der erdbebenfreien Saison, das Paradies in Kansai.
Gegenüber spielen sie Baseball. Unten rauscht ein Fluss.
Ich war gestern in dieser Stimmung, wo man 14.000 Yen für eine
chinesische Opernmaske, einen Fächer aus rosa Plüsch und eine
Reitgerte mit so neongelben Bändeln raushaut.
Also geh ich noch - es is ja schon scheißegal! - zu einer Wahrsagerin.
Ich erfahre das Notwendigste, aber sie ist unzufrieden mit sich und
gib mir das ganze Geld zurück. Nobler Zug, magic woman!
Ich wohn im Haus in den Bergen, war in einem Heißwasserbad und habe in
traditionellen japanischen Restaurants ungeheuerliche Dinge gegessen.
In der S-Bahn zwischen Osaka und Kobe traf ich einen kleinen Dämon.
Chaosenergietankstelle auf zwei Beinen. Seine e-mail-Adresse ist nach
Amsterdams "Luchthaven Schipol" benannt: wir haben uns sofort erkannt.
Derweil erinnert mich das Tagebuch von Vaslav Nijinsky, mit dem
Wahnsinnig-Werden also unbedingt weiterzumachen! Ich lass mir aber
Zeit dabei, weil: beim Wahnsinnig-Werden muss man halt wahnsinnig
Obacht geben.
Gerade ist zum Beispiel etwas Unglaubliches passiert: eine Seifenblase
kommt um die Ecke gebogen, mutterseelenallein! Macht ein paar gewagte
fliegerische Kunststücke und entschwindet über die Dächer, ohne
zerplatzt zu sein. Seifenblase, wenn man wär ...
"I know, many people will say now: what is he talking about? I
understand people, I am sorry to admit it, but I must say, that it is
true: I am no longer man. I am God. I am not an ordinary man. I am
God. I am Nijinsky. I love you always. ROCKABYE, ROCKABYE - I wish you
good."
(Vaslav Nijinsky: The diaries of Vaslav Nijinsky)
