Vor Anker

 

Text & Musik: Prinz Chaos II.

 

Als Münchner und Bayer, von Profession
Fehlte mir meine Heimat schon
Bevor ich sie eine Sekunde verlassen
Früh hab ich gelernt, den Abschied zu hassen.

Rein politisch erfreut wie sich denken lässt,
verließ ich mein München doch unter Protest
Was helfen mir Tränen, Zetern, Gebrüll?
Die Revolution schert kein Heimatgefühl

In Hamburg vor Anker wurde mir schnell klar
Dass Ankommen leichter als Weggehen war
Mit Wehmut im Herzen von München gelassen
Gelang es mir nicht, Hamburg trotzig zu hassen

Ich fand, was ich brauchte, mir fehlt halt nur
Die gschert-offne Herzlichkeit unsrer Natur
Es braucht lange Zeit und viel Gequäle
Bis sich hier endlich öffnet, Seele für Seele

Doch dem Ausländeranteil ist es zu danken
Das Lebensgefühl bricht durch nordische Schranken
So fühl ich mich nach fast zwei Jahren daheim
Mein Sturschädel räumt das nur ungern ein

Der Hafenmoloch, liebeskummernd entdeckt
Hat in mir Sehnsucht und Träume geweckt
Hier fühl ich trotz mancher Touristenbarkasse
Den Pulsschlag der Arbeit, die Kraft unsrer Klasse

Die Stadt hat viel Schönes, ich will’s nicht bestreiten
Hätt alles nicht auch seine nordischen Seiten
Der Sommer, in München befreit zelebriert,
die Hanseaten nur mühsam verführt

Was soll’s, das Ozonloch wird’s schon richten
Vielleicht kann ja Hamburg bald schon berichten
Von sensationellen Quecksilberrekorden
Dann versüdländert endlich der stets kühle Norden!